Interkulturelle Öffnung im Verein

Integration, Teilhabe, interkulturelle Öffnung, interkulturelle Kompetenz - Was ist das?

Integration heißt, allen rechtmäßig und auf Dauer in Deutschland lebenden Menschen unabhängig von Kultur, Religion, Herkunft und Ethnie Chancengleichheit und damit wirkliche Teilhabe zu ermöglichen. Voraussetzung ist, dass Integration nicht als Einbahnstraße, sondern als Dialog zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund verstanden und gelebt wird (BMI (2009), Interkulturelle Öffnung im Sport - Praxistipps für Verbände, Vereine, Aktive und Interessierte, Rostock, S. 7).

Teilhabe meint, allen Menschen gleichberechtigte Beteiligungs- und Zugangsmöglichkeiten zu eröffnen – zu Bildung und Arbeit, zu Gesellschaft und Politik, zu Kultur und Sport (BMI (2009), Interkulturelle Öffnung im Sport - Praxistipps für Verbände, Vereine, Aktive und Interessierte, Rostock, S. 8).

In Wissenschaft und Praxis ist man sich einig, dass dem Begriff  interkulturell ein weites Verständnis von Kultur zugrunde liegt. Er beschreibt die alltäglichen kulturellen Besonderheiten im Privaten wie in der Arbeitswelt. Kultur ist in diesem Verständnis etwas Dynamisches, das ständigen Veränderungen unterworfen ist. Der Einzelne befindet sich bei diesem Verständnis in einem ständigen Aushandlungsprozess seiner Kultur und im Diskurs zwischen verschiedenen kulturellen Orientierungen.

Interkulturalität umfasst bei diesem weiten Verständnis Unterschiede in Geschlecht, Alter, Religion, sexueller Orientierung, sozioökomische Lage oder die Unterschiede in verschiedenen Betriebs- und Verwaltungskulturen.

Öffnung als zweiter Begriff scheint eindeutig und verständlich. Wenn man jedoch bedenkt, dass Öffnung Geschlossenheit voraussetzt, dann erhält der Begriff noch weitere Dimensionen. Einer Geschlossenheit können bewusste oder unbewusste Ausgrenzungsmechanismen zugrunde liegen. Damit sind Machtfragen und Interessen verbunden. Öffnung hingegen ist ein aktiver, bewusst gestalteter, (selbst-) reflexiver Prozess mit dem Ziel, Anerkennung zwischen unterschiedlichen Menschen, Lebensweisen und Organisationsformen zu ermöglichen.

Diesem Projekt liegt das weitgefasste Verständnis von Kultur zugrunde. Interkulturelle Öffnung wird nach der Forschungsliteratur als „bewusst gestalteter Prozess, der (selbst-)reflexiven Lern- und Veränderungsprozesse von und zwischen unterschiedlichen Menschen, Lebensweisen und Organisationsformen ermöglicht.“ Dadurch werden „Zugangsbarrieren und Abgrenzungsmechanismen in den zu öffnenden Organisationen“ abgebaut (Handschuck S. & Schröer H. (2012): Interkulturelle Orientierung und Öffnung: Theoretische Grundlagen und 50 Aktivitäten zur Umsetzung, Augsburg: Ziel, S. 45).
 

Sich öffnen heißt nicht nur offen sein für neue Mitglieder. Sich öffnen heißt auch offen sein, sich als Person und als Organisation zu reflektieren und seine eigene Haltung zu überprüfen." (Wolfgang Fleiner, Vizepräsident Geschäftsführung des Schwäbischen Turnerbunds e.V. (STB), auf der Auftaktveranstaltung am 25.11.2016)

 

Interkulturelle Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, mit Menschen anderer Kulturkreise sicher und erfolgreich umgehen zu können (zu „interagieren“). Interkulturell kompetent ist, wer ihr beziehungsweise ihm selbst nicht vertraute Ansätze der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Handelns aus anderen Kulturkreisen vorurteilsfrei erfasst und begreift. Die Bereitschaft zum ständigen Dazulernen ist hierfür unverzichtbar (BMI (2009), Interkulturelle Öffnung im Sport - Praxistipps für Verbände, Vereine, Aktive und Interessierte, Rostock, S. 8).

Was sind Vorteile interkultureller Öffnung?

  • Steigerung der eigenen Attraktivität: Die Öffentlichkeit honoriert Einrichtungen, die offen und pluralistisch denken, zudem soziale Verantwortung übernehmen.
  • Gewinnung von Mitgliedern: Einrichtungen, die Vielfalt schätzen, werden auch vielfältig weiterempfohlen.
  • Bindung von Mitarbeitenden und Mitgliedern: Mitarbeitende und Mitglieder fühlen sich durch die Wertschätzung ihrer Kompetenzen als Persönlichkeiten geschätzt, somit folgt eine Bindung, höhere Motivation und größere Bereitschaft sich einzubringen.
  • Innovation durch Vielfalt: Gemischte Teams kommen oft zu kreativeren und innovativeren Lösungen als homogene Gruppen.
  • Verbesserung des Umgangs miteinander: Gemischte Teams lernen viel voneinander und erweitern somit auch ihren Horizont, ein wichtiger Faktor beim verstärkten Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt.
  • Abbau von Vorurteilen: Gemischte Teams sind beim Abbau von Vorurteilen sehr wichtig. Sie unterstreichen die Bedeutung vom Zusammenleben der Kulturen und deren Vorteile.
  • Erschließung und Zugang zu weiteren Zielgruppen: Eine vielfältige Mitgliederstruktur bietet die Möglichkeit, neue Zielgruppen anzusprechen und verbessert den Kontakt zu diesen.
  • Steigerung von Mitgliederzufriedenheit und -bindung: Vielfalt führt zu passgenaueren Angeboten für die Mitglieder und somit auch zu mehr Mitgliederzufriedenheit. Außerdem ist es mit vielfältigem Personal oder einer vielfältigen Mitgliederstruktur einfacher auf die Bedürfnisse heterogener Kundengruppen einzugehen

(vgl.: Interkulturelle Öffnung - Was ist das? Wem bringt es was? Wie geht das?, Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V.)

Welche interkulturellen Herausforderungen gibt es im Sport?

Das Projekt spin des Landessportbunds NRW untersuchte in zwei Projektphasen von 2007-2011 und 2011-2015 Integrationsprozesse in und durch den Sport. Ein besonderer Fokus wurde dabei auf Mädchen und Frauen gelegt. Junge Frauen mit Migrationshintergrund wurden speziell für eine Übungsleiterausbildung rekrutiert.

Durch Befragung des Vereinspersonals konnten verschiedene Herausforderungen im Umgang mit anderen Kulturen im Verein festgestellt werden, die in den Vereinen unterschiedlich aufgefasst wurden und entsprechend sind auch die Reaktionen darauf unterschiedlich.  So beobachteten manche, dass muslimische Mädchen in der Pubertät dem Sport fernblieben, andere stellten dies bei Jungen ebenso fest. Auch beim Kopftuch gab es Unterschiede. Ein Verein lehnte es kategorisch ab, andere sehen darin kein Problem.

Als ein wichtiges Thema brachte das Vereinspersonal die Elternarbeit ein. Insbesondere im Umgang mit den Eltern sei es wichtig, Vertrauen herzustellen. Wenn die Eltern selbst den Verein nicht kennen, wissen sie auch nicht, was ihre Kinder dort erwartet. Deshalb sei es wichtig, den Eltern höflich und mit Respekt zu begegnen auch gegenüber ihrer Herkunft, Religion und Traditionen.


Weiterführende Literatur

Interkulturelle Öffnung im organisierten Kinder- und Jugendsport

Arbeitshilfe zur Organisations- und Personalentwicklung in der dsj und ihren Mitgliedsorganisationen

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Interkulturelle Öffnung im Sport
Praxistipps für Verbände, Vereine, Aktive und Interessierte

Die Handreichung will durch praktische Tipps Anregungen für den Breiten- und Freizeitsport geben und die Integration im Sport fördern. Sie enthält wichtige Hinweise für Sportverbände und Sportvereine, richtet sich aber auch konkret an Betreuerinnen und Betreuer.

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